Giuseppe A. Continisio - 01.09.2016

Verenatag – ein traditioneller Tag der Einkehr im Flecken


BAD ZURZACH (ua) Der Verenatag ist einerseits eine Begebenheit, die weit zurückreicht in die Anfänge des Christentums hier in der Schweiz, und zugleich ist es ein Fest- und Gedenktag voller aktueller Bezüge.

Seine Themen sind „Verlassen der Heimat, Aufbruch ins Ungewisse, Tod und Vertreibung, Verfolgung wegen des Glaubens – aber ebenso Vertrauen und Glaube, Mut und Zuversicht, das Finden einer neuen Heimat, und das segensreiche Wirken im Sinne der Frohen Botschaft“. Erzbischof Thomas Edward Gullickson war dieses Jahr der Hauptzelebrant und damit Festprediger.

(Fast) (über)volles Münster

Schon rund eine Stunde vor Gottesdienstbeginn waren die ersten Gläubigen in den Kirchenbänken. Vertreter der Regionalpolizei sicherten diskret den Münsterplatz, drei ehemalige Schweizer Gardisten begleiteten umso prominenter den langen Zug von Mit-Zelebranten, die sich kurz vor Gottesdienstbeginn vor dem Münster formierten.Der Verenatag mobilisiert nicht nur viele Kirchgänger, nein, auch viele kirchliche Würdenträger.

Geradezu festlich herausgeputzt hatten sich die Mitglieder des Chores und die Solisten, die – einmal mehr – unter der Leitung von Jürg Hoffarth – hervorragende Leistungen vollbrachten und geniale Musik „machten“. Dieses Jahr interpretierten sie die „Missa Sancti Gabrielis“ in C-Dur für vier Solisten, Chor und Orchester von Johann Michael Haydn, dem jüngeren Bruder des berühmten Komponisten Joseph Haydn. Er wurde am 14. September 1737 in Rohrau, Niederösterreich, geboren und starb am 10. August 1806 in Salzburg.Der Münsterchor trägt viel zur wunderbaren, ja einzigartigen  Feier bei.

Er war ebenfalls Musiker und hinterliess ein beachtliches Werk von Sinfonien, Instrumentalkonzerten, Opern und Bühnenstücken, Streichquintetten und geistlicher Chormusik. Unter anderem wurde Michael Haydn 1782, als Nachfolger von W. A. Mozart, Organist an der Dreifaltigkeitskirche in Salzburg. Er gilt als wichtiger Wegbereiter der geistlichen Musik.

Verena – ein Stück gelebtes Christentum, eine Aktualisierung der Jesu-Geschichte

Verenas leben ist geprägt vom Verlassen der Heimat, vom Aufbruch ins Ungewisse, von Tod und Vertreibung, von der Verfolgung wegen des Glaubens – aber ebenso von Vertrauen und Glaube, von Mut und Zuversicht, vom Finden einer neuen Heimat und vom segensreichen Wirken im Sinne der Frohen Botschaft.

Sicherlich wird die heilige Verena stark vom Volk getragen. Im Katholizismus hat sich eine Vielfalt volkstümlicher Frömmigkeitsformen entwickelt, vor allem im Bereich der Marien-, Engel- und Heiligenverehrung. Diese Haltung spürt man bei den Gläubigen sehr. Den Kindern wurde das Leben und Wirken der Heiligen Verena in einem separaten Gottesdienst erzählt.

Erzbischof Thomas E. Gullickson, Gesandter des Papstes für die Katholiken in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein - ein spezieller Festredner

Der 66-jährige US-Amerikaner Thomas Edward Gullickson aus Sioux Falls ist ein Erzbischof der römisch-katholischen Kirche und Diplomat der römischen Kurie.

Er empfing nach seinem Philosophie und Theologiestudium die Priesterweihe am 27. Juni 1976 in seiner Heimatstadt. 1985 wurde er an der Päpstlichen Universität Gregoriana nach Anfertigung einer Dissertationsschrift zum Doktoren promoviert.

Gullickson trat am 1. Mai 1985 in den Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein und war in Ruanda, Österreich, Tschechoslowakei, Jerusalem/Israel und Deutschland tätig. Papst Johannes Paul II. verlieh ihm am 30. Juni 1986 den Ehrentitel Kaplan Seiner Heiligkeit (Monsignore) und am 21. November 1997 den Titel Ehrenprälat Seiner Heiligkeit.

Am 2. Oktober 2004 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularerzbischof von Polymartium und zum Apostolischen Nuntius für Trinidad und Tobago, die Bahamas, Dominica, St. Kitts und Nevis und St. Vincent und die Grenadinen. Bischof wird man für eine Ortskirche; die Kurie verleiht – wie bei den Weihbischöfen – kleine und kleinste Bistümer denjenigen Würdeträgern, die für andere kirchliche Aufgaben vorgesehen sind. In seinem Bistum Bomarzo, in der Nähe von Rom, ist er noch nie gewesen...

Am gleichen Tag wurde er zudem zum Apostolischen Nuntius in der Karibik bestellt und somit Apostolischer Delegat der Antilles Episcopal Conference der Römisch-katholischen Kirche in der Karibik.

Papst Benedikt XVI. berief ihn am 21. Mai 2011 zum Apostolischen Nuntius in der Ukraine. Wegen dezidiert proukrainischer politischer Äußerungen in der Öffentlichkeit wurde er vorzeitig von diesem Amt abberufen.

Am 5. September 2015 ernannte ihn Papst Franziskus zum Apostolischen Nuntius in der Schweiz und in Liechtenstein.Aufgrund seiner konservativ-vorkonziliaren Haltung zur Liturgie und anderen kritischen Themen sowie seiner damit einhergehenden Sympathie für die Piusbruderschaft stellt er sich indirekt gegen das Schweizer Prinzip der kollektiven Verträglichkeit.

Diese Frage der Haltung verfolgte ihn auch im Flecken; seine Predigt war intelligent, eindrücklich, aber auch zum Teil im Widerspruch zu zeitgenössischem Gedankengut, was ihn bei vielen sehr sympathisch, andere hingegen konnte er nicht wirklich erreichen. Er polarisierte; interessant aber war mit ihm zu reden, und man stellte – einmal mehr fest – die Münze hat zwei Seiten..

Am Schluss des Gottesdienstes konnte Marcus Hüttner koptischen Mitchristen aus Montreal (Kanada) begrüssen  und ihnen – in Anwesenheit von Erzbischof Thomas Edward Gullickson eine Reliquie der Hl. Verena schenken. Diese soll ihren Platz in der neugebauten Kirche in Montreal finden.Die Übergabe der gesuchten Reliquie bedeutet den koptischen Geistlichen ausserordentlich viel.

Marcus Hüttner tat dies in englischer Sprache und konnte so den Gästen eindrücklich vermitteln, wie willkommen diese sind; auch beim Essen war ihm die Betreuung dieser Menschen ein wichtiges Anliegen. Christine Gasser, die neue Jugendarbeiterin, half ihm dabei sehr, nachdem sie mit den diversen Jugendlichen strak im Hintergrund mitgeholfen hatte.

Apéro auf dem Kirchplatz, anschliessend Verenabankett rund ums Forum

Eine Unzahl von Freiwilligen hatte schon frühmorgens kräftig gewirkt: Nur so konnte ein reibungsloser Ablauf gewährleistet werden. Das einfache Mittagessen, der Kaffee und das traditionelle Gebäck „Verenakamm“ schmeckten. Der Service war wunderbar, die Stimmung einfach nur gut.

Anschliessend fand eine Festandacht mit Gelegenheit zum persönlichen Pilgersegen im Münster statt. Pfarrer Raimund Obrist gab anregende Gedankenanstösse an die Gläubigen, unter denen sich rund vierzig „Verenas“ gemischt hatten.

Erzbischof Thomas Edward Gullickson, Raimund Obrist und Pastoralassistent Marcus Hüttner  gaben anschliessend den begehrten Einzel-Pilgersegen an die Andachtsbesucher weiter.